Religiöser Pluralismus und Politik in Indonesien: Eindrücke aus der Gouverneurswahl in Jakarta

Montag, 29. Mai 2017, 19:00 Uhr, Domforum (5. Etage),
Domkloster 3, 50667 Köln

Vortrag & Diskussion mit Timo Duile

Die jüngste Gouverneurswahl in Jakarta wurde in der internationalen Presse vielfach
als Prüfstein für die indonesische Demokratie wahrgenommen. Islamistische
Gruppen hatten seit langem Stimmung gegen den christlichen, chinesischstämmigen
Gouverneur der Stadt gemacht, der sich zur Wiederwahl stellte. Es wurde
eine erfolgreiche Kampagne gegen ihn initiiert, in deren Verlauf Hunderttausende auf
die Straßen in Jakarta kamen. Der christliche Gouverneur wurde daraufhin nicht nur
abgewählt, sondern auch wegen Blasphemie zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.
In den Debatten um die Wahl vermischten sich letztlich soziale Themen mit
rassistischen Ressentiments und religiöser Intoleranz. Dies ist in dem Vielvölkerstaat
mit dem Staatsmotto „Einhalt in der Vielfalt“ sehr brisant und stellt Grundprinzipien
des indonesischen Selbstverständnisses in Frage.
Der Referent, der während des Wahlkampfes auf Feldforschung in Jakarta war, wird
von seinen Eindrücken berichten, Hintergründe der Gouverneurswahl behandeln und
auch ein vorsichtiges Resümee über den Zustand der indonesischen Demokratie im
allgemeinen wagen; denn die Kontroversen um die Wahl in Jakarta sind letztlich nur
ein Ausdruck tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen in Indonesien.
Dr. Timo Duile hat Politische Wissenschaft, Ethnologie, Philosophie sowie Indonesisch studiert. Er war Gastwissenschaftler an der Tanjungpura-Universität in Pontianak/Indonesien und Lehrbeauftragter am Institut für Ethnologie der Universität Köln. Zurzeit arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Orient- und Asienwissenschaften an der Universität Bonn. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen religiöse Konflikte, indigene Bewegungen, ökologische Fragen und Demokratisierungsprozesse in Südostasien.

Mit freundlicher Unterstützung

Kontakt: Karl Mertes ( mertes@dig-koeln.de )

Presseschau zu dem Thema

FRAUEN AM RANDE DES SEES – Lesungen aus dem mehrsprachigen Textbuch der Opera Batak

Donnerstag, 16. März 2017, 19:30 Uhr
Galerie Smend, Mainzer Straße 31, 50678 Köln-Südstadt

Die Gruppe PLOt aus Siantar/Nordsumatra hat 2013 und 2015 die Opera Batak „Perempuan di pinggir danau – Frauen am Rande des Sees“ von Lena Simanjuntak im Rahmen von Deutschland-Tourneen aufgeführt. Das Textbuch liegt in mehrere Sprachen übersetzt vor.
In einer kombinierten Lesung werden einzelne Passagen vorgetragen, um so die Vielfalt der Präsentation und die Wahrnehmung in unterschiedlichen Sprachen erfahrbar zu machen.

© Herri Ketaren

© Herri Ketaren

Indonesisch Lena Simanjuntak: Perempuan di pinggir danau
Deutsch Sabine Müller: Frauen am Rande des Sees
Batak Ira Sitompul: Borua nadi duru ni tao
Französisch Margarete Siebert: Femmes sur les berges du lac
Spanisch Pilar Baumeister: Mujeres a la orilla del lago
Englisch Albert Klütsch: Women at lake’s edge

„Mit Sprache Realität gestalten“ Lesung und Gespräch mit den indonesischen Dichterinnen Dorothea Rosa Herliany, Hanna Fransisca und Nenden Lilis Aisyah

Donnerstag, 27. Oktober 2016 – 19:30 Uhr
Bürgerzentrum Alte Feuerwache Melchiorstraße 3, 50670 Köln (Nähe Ebertplatz) – Kinoraum

Mit sprachlicher und performativer Wucht erzählen die drei Lyrikerinnen von gesellschaftlicher Gewalt aus weiblicher Perspektive ebenso wie von den Konflikten einer religiös und geografisch komplexen Gesellschaft. Indonesische Literatinnen können „mit Sprache Realität gestalten“ formuliert es Dorothea Rosa Herliany, die schon wiederholt zu Gast in Köln gewesen ist.

Dorothea Rosa Herliany

© Foto: Dorothea Rosa Herliany

© Foto: Dorothea Rosa Herliany

Dorothea Rosa Herliany, geboren 1963 in Magelang, Zentral-Java. gilt als eine der bedeutendsten zeitgenössischen indonesischen Lyrikerinnen. Sie spricht Javanisch, schreibt jedoch in der allgemeinen Landessprache Bahasa Indonesia und gilt als stilbildend für die postmoderne Lyrik ihres Landes. Für ihre teils in mehrere Sprachen übersetzten 27 Publikationen wurde sie mehrfach ausgezeichnet. 2009 war sie Stipendiatin der Heinrich-Böll Stiftung, 2013 des DAAD und 2014 der niederländischen Poets of All Nations. Ein wichtiges Thema ihrer Lyrik ist gesellschaftliche Gewalt aus weiblicher Perspektive. Nicht zuletzt deshalb wurde Herlianys Werk von der Literaturkritik immer wieder als „feministisch“ oder „antipatriarchalisch“ verstanden, was sie selbst jedoch ausdrücklich nicht für sich in Anspruch
nimmt. Auf Deutsch erschien zuletzt der zweisprachige Gedichtband „Hochzeit der Messer“ im Indieverlag Verlagshaus Berlin, übersetzt von Ulrike Draesner und Brigitte Oleschinski.
www.dorothearosaherliany.com

Hanna Fransisca

© Foto: Hanna Fransisca

© Foto: Hanna Fransisca

Hanna Fransisca, auch Zhu Yong Xia, ist geboren 1979 in Singkawang, West-Kalimantan. Die chinesisch-stämmige Autorin ist Lyrikerin, Essayistin und Journalistin. Sie veröffentlicht in Tageszeitungen sowie in literarischen Magazinen und Zeitschriften wie Pusat, Horison, Jurnal
Sajak, Jurnal Sastra. Zuletzt publizierte die Lontar Foundation den dreisprachigen Lyrikband „Der badende Mann und andere Gedichte“ (2015). Weitere Veröffentlichungen sind ihre Gedichtbände „Benih Kayu Dewa Dapur“ (2012) und „Konde Penyair Han“ (2010) sowie den Erzählband „Sulaiman Pergi ke Tanjung Cina (2012)“ und das Drama „Kawan Tidur“ (2012). Ihr Debüt wurde 2011 vom Magazin Tempo als „Best Poetry Book“ prämiert. Hanna Fransisca beschäftigt sich in ihren Texten insbesondere auch mit der Rolle der wirtschaftlich wichtigen chinesischen Minderheit in Indonesien sowie deren gesellschaftlicher Diskriminierung.

Nenden Lilis Aisyah

© Foto: Hanna Fransisca

© Foto: Hanna Fransisca

Nenden Lilis Aisyah, geboren 1971 inGarut, West-Java schreibt und veröffentlicht Lyrik, Erzählungen, Essays und journalistische Arbeiten in  nationalen und internationalen Medien – unter anderem die Gedichtbände „Negeri Sihir“ („Magical Land“), „Maskumambang Buat Ibu“ („Maskumambang for Mother“). Für ihre Erzählung in der Soloanthologie „Ruang Belakang“ („Backroom“, Kompas, 2003) erhielt sie den Pusat Bahasa Award. Wie Dorothea Rosa Herliany war sie 2015 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.
Die Schriftstellerinnen folgen der Einladung des diesjährigen Schmarock-Festivals in München (www.schamrock.org/festival ) mit dem Länderschwerpunkt Indonesien, unterstützt durch den Attaché für Bildung und Kultur der Botschaft der Republik Indonesien in Berlin.

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