Filmvorführung: Before, Now & Then(Nana)

Dienstag, 21.11.2023, 20:00 – 22:30 Uhr
OFF Broadway Kino, Zülpicher Str. 24, 50674 Köln

Der Eintritt kostet 6 Euro

In Zusammenarbeit mit dem Allerweltskino zeigen wir einen der Höhepunkte der Berlinale 2022. Filmaufführung mit anschließender Diskussion.

(Spielfilm, Indonesien, 2022, Regie: Kamila Andini, 103 Minuten, Sundanesisch mit deutschen Untertiteln)

Nanas Mann ist in den politischen Wirren der 1960er Jahre verschollen und wird für tot erklärt. Sie findet Zuflucht bei einem reichen Sundanesen, doch nachts holen sie die Erinnerungen ein. Sie entdeckt außerdem eine Affäre ihres Mannes mit der Fleischerin Ino. Durch die letztlich heilsame Begegnung mit der jungen Rivalin gelingt es ihr, sich aus dem engen bürgerlichen Korsett zu befreien.

Kamila Andini betrachtet die Emanzipation der Frau in diesem berauschenden Film im Spiegel der Geschichte auf mehreren Zeitebenen, basierend auf dem Roman „Jais Darga Namaku“ von Ahda Imran.

Das Berlinale-Highlight wurde 2022 mit einem Silbernen Bären für die Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.

Die Filmaufführung ist eine Kooperation der Stiftung Asienhaus, der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft Köln und dem IPT 1965 mit dem Allerweltskino Köln.

Der Eintritt kostet 6 Euro.

Trailer: Before, Now & Then (Nana):


Nachlese zur Filmvorführung BERORE, NOW & THEN (NANA)

„Ich bin geschmeidig wie Wasser. Ich passe mich an.“

Das sagt Nana, als sie ihre Lebenssituation reflektiert – und die ist von Rückschlägen
geprägt: Als Kind wurde sie während der Unabhängigkeitskämpfe der Indonesier gegen die
holländischen Kolonialherren (1945-49) von ihrem Vater mit ihrer Schwester weggeschickt,
um nicht mit einem der Rebellen verheiratet zu werden; er wurde in den Wirren jedoch
umgebracht. Ihren Mann verlor sie zwanzig Jahre später im Verlauf des Putsches (1965/66),
der zur Machtübernahme des langjährigen Despoten Suharto führte (diese historische
Einordnung ist allerdings nur schwer im Filmablauf zuzuordnen). Sie hatte danach durch die
Hochzeit mit einem gut situierten Kaufmann in Westjava – im Sundaland – ein nach außen
geregeltes Familienleben. Allerdings hielt der Mann eine Geliebte, mit der Nana sich aber
arrangierte, und beide wurden enge Vertraute und Freundinnen. Letztlich verlässt Nana
jedoch ihren Ehemann und die Kinder, nachdem der erste totgeglaubte Mann doch plötzlich
wieder auftauchte. Ein konfliktreiches Leben.

Der Film – im Original „Nana“ benannt – wurde für die internationale Vermarktung mit dem
englischen Titel versehen, der die Zeitsprünge zwischen „Früher – Jetzt – und später“
passend umschreibt.

Kamila Andini hat auf der Basis einer Biografie und eines Romans einen eindrucksvollen
Spielfilm vorgelegt, der sehr subtil die träumerische Bewältigung der Lebensgefühle von
Nana schildert. Der patriarchalen Gesellschaftsordnung hat sie sich unterworfen und
angepasst – und findet doch die Kraft, sich letztlich auf der Suche nach Freiheit daraus zu
befreien. Diese Emanzipation erschließt sich durch eine ausgesprochen ruhige und
beruhigende Erzählung mit eindrucksvollen Bildern und einer ansprechenden musikalischen
Illustration. Dies verdeutlicht die Traumwelt der Protagonistin.

Am 21. November lief „Nana“ im voll besetzten Allerweltskino im Off-Broadway. Nach dem
Film gab Sri Tunruang (AK Indonesien Aachen / International Peoples Tribunal 1965) eine
Reihe aufschlussreicher Informationen und Interpretationen. Aus ihrer Sicht spiegelt der Film
drei Perspektiven, nämlich die Rolle der Frau, die Situation der Menschenrechte und das
verbindliche Heimatgefühl. Und er problematisiert die Frage „Können wir leben wie wir
sind?“. Die Symbole von Nanas bewahrten Geheimnissen würden beispielsweise deutlich an
der Haartracht, dem klassisch streng gebundenen Dutt, stets durch besondere Nadeln
gehalten oder an der ungewohnt dauernden Raucherei der Frauen. Sittenstreng sei der
Alltag einerseits geregelt, andererseits gebe es Ausflüchte, wie in der engen Beziehung zur
Geliebten des Ehemanns oder einem Sprung in einen wilden Wasserstrudel.
Sri verwies auf die zunehmende Bedeutung wichtiger von Frauen gemachter Filme über die
1965/66er Massaker in Indonesien, der Zeit eines Umbruchs: Neben „Nana“ der
Dokumentarfilm von Lola Amaria „Eksil“ und die TV-Serie „Gadis Kretek“ von Sasthi
Nandani.

Der kundigen Einführung folgte im Allerweltskino eine lebhafte Diskussion, in der es auch um
die indonesisch-deutschen Beziehungen sowie die aktuelle zivilgesellschaftliche Situation
ging. Ein Beleg, wie reichhaltig und vielsagend die indonesische Filmszene derzeit ist.
P.S,: Der Originalfilm lief übrigens auf Sundanesisch. Im Vorspann ist dem deutschen
Vertrieb ein interessanter Fehler unterlaufen. Es hieß dort „Sudan“ statt richtigerweise
„Sunda“  =  diesen Namen trägt die Region im Westen Javas, immerhin mit etwa 42
Millionen Einwohnern, dort leben die Sundanesen und die sprechen Sundanesisch (und
gewiss auch Indonesisch).
Karl Mertes